Warum überhaupt noch Literatur, also geschriebene Fiktion, wo es Filme und
Computerspiele gibt? Neue Möglichkeiten tun sich auf, Schwerpunkte verschieben sich.
Aber das Wort, geschrieben oder gesprochen, ist dasjenige Medium, mit dem wir am
Besten Welt und Dinge hinterfragen können. In der Sprache liegt der Erfahrungsschatz
– und Ballast – von vielen Jahrhunderten. Es liegt ein Zauber darin, dass wir eben
mithilfe der Sprache unser eigenes Denken anschauen, analysieren und gegebenenfalls
überwinden können. Insofern liegt im Wort der Keim zur Veränderung – auch so kann
man „Im Anfang war das Wort“ verstehen.
Menschen im Umbruch, Entwurzelte, Reisende zwischen Ländern, Kulturen und
Kontinenten greifen in besonderem Maß auf das geschriebene Wort zurück: als Halt,
als Brücke, als Frage an das Leben. In unserer Reihe wollen wir AutorInnen mit
Migrationshintergrund, deren Arbeit in besonderer Weise inneres und äußeres
Unterwegssein thematisiert, eine Bühne bieten. Dabei werden wir das Augenmerk
nicht nur auf die schmerzvollen und herausfordernden Aspekte von Migration richten,
sondern auch auf die Chancen, die darin liegen. Im Sinne von Vilem Flussers „Freiheit
des Migranten“ wollen wir in Diskussion und Gespräch die (keineswegs immer
freiwillige) Mobilität des Menschen im globalisierten Zeitalter einerseits kritisch
hinterfragen, andererseits als Möglichkeit von Selbstbestimmtheit und transkultureller
Verständigung beleuchten.